ÖPNV-Angebote

Umsteigen bitte!

Von Katharina Lehmann · 2021

Die Deutschen fahren wieder mehr Auto. Das liegt nicht nur an Corona, sondern auch am mangelnden Angebot an bedarfsgerecht fahrenden Bussen und Bahnen. Dabei gilt der ÖPNV als zentrale Säule der Verkehrswende. In den kommenden Jahren muss kräftig investiert werden.

Frau, die auf den Bus wartet
ÖPNV-Angebote müssen an die Bedürfnisse der Menschen angepasst werden. Foto: iStock / lowkick

Der Abschied vom eigenen Auto fällt aus. Knapp die Hälfte der einstigen Bus- und Bahnliebhaber waren im Frühjahr 2021 lieber mit dem eigenen Pkw unterwegs – deutlich mehr als ein Jahr zuvor. Mitten im ersten Lockdown stieg nur ein Drittel der Bus- und Bahnfahrer auf das Auto um, so die Ergebnisse des Mobilitätsreports des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB) und des Sozialforschungsinstituts Infas.

Fehlende Flexibilität, mangelhaftes ÖPNV-Angebot

Allein mit Corona lässt sich der Umstieg auf das eigene Auto aber nicht begründen: „Dass viele Befragte den Nahverkehr aufgrund von Covid-19 meiden, ist nur die Hälfte der Wahrheit“, schreiben die Wissenschaftler. „Zur Wahrheit gehört, dass fehlende Flexibilität und mangelnde Produktqualität starke Motive sind, den ÖPNV zu meiden.“

So fiele es Anbietern schwer, sich auf die – auch durch die Pandemie – veränderte Arbeitswelt einzustellen. Wer morgens im Homeoffice arbeitet und erst nachmittags ins Büro fahren will, bemerkt schnell, wie ausgedünnt die Verbindungen außerhalb der morgendlichen und abendlichen Stoßzeiten vielerorts sind. Zudem sind für viele Arbeitnehmer, die nicht mehr jeden Tag ins Büro fahren, die Monats- und Jahreskarten unattraktiv geworden. So ist die Zahl der Abo-Besitzer deutlich gesunken. Hatten bei der letzten Erhebung im vergangenen Jahr noch 22 Prozent der Befragten ein Abonnement, sind es inzwischen nur noch 16 Prozent.

Abhilfe könnten hier Homeoffice-Tickets oder Pay-as-you-go-Preismodelle bieten. Bei letzterem checkt der Fahrgast per App oder Chipkarte ein, und die Software errechnet später den günstigsten Tarif. Wer nur einmal fährt, zahlt also den Einzelfahrschein, wer dagegen innerhalb einiger Tage regelmäßig fährt, dem wird der Preis für die Wochenkarte abgebucht. Im Ausland ist das vielerorts Alltag, in Deutschland die Ausnahme.

Carpooling statt allein im Auto

Für mehr Flexibilität könnten On-Demand-Dienste wie Shuttlebusse oder Carpooling sorgen. Per App buchen sich Fahrgäste flexibel eine Fahrt; Bus oder Minivan sammeln sie an der Haltestelle oder auch an individuellen Orten ein und bringen sie zum Ziel. Unterwegs können beliebig weitere Fahrgäste eingesammelt oder abgesetzt werden. Doch abseits von Pilotprojekten und vereinzelten, regionalen Angeboten tut sich auch bei den On-Demand-Diensten wenig, bemängelt die Studie.

Dabei gilt der ÖPNV als zentrale Säule der Verkehrswende. Um die von der Bundesregierung vorgegebene Senkung des CO2-Ausstoßes zu schaffen, müsse das Angebot an Bus- und Bahnverkehr in den Städten und auf dem Land um ein Viertel ausgebaut werden, heißt es beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Die dadurch steigenden Kosten könnten nur etwa zur Hälfte durch zusätzliche Fahrgeldeinnahmen kompensiert werden. Einem Gutachten des VDV zufolge bräuchten die Nahverkehrsunternehmen bis zum Jahr 2030 etwa 48 Milliarden Euro zusätzlich, um die EU-Klimaziele zu erreichen. Dieses Geld sei nötig, um deutlich mehr ÖPNV-Angebote, unter anderem mehr Personal, Fahrzeuge und neue Konzepte, bundesweit zu
finanzieren.

Wussten Sie schon, dass …

… die Menschen mit dem ÖPNV in deutschen Großstädten im Durchschnitt doppelt so lang zum Ziel brauchen wie mit dem Auto? Aufgezeigt hat dies eine Untersuchung des Mobility Institute Berlin. Für die Forscher zeigt die Untersuchung, dass der ÖPNV wettbewerbsfähiger werden muss, um die Verkehrswende zu beschleunigen.

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