Abgas als Klimaretter

Kunststoff aus Abgasen

Von Hartmut Schumacher und Katharina Lehmann · 2021

Kohlendioxid ist weit mehr als ein lästiges Abfallprodukt. Richtig aufbereitet, lässt es sich als Ausgangsmaterial für Kunststoffe und Treibstoffe verwenden. Mit solch innovativen Ideen lässt sich der CO₂-Fußabdruck vieler Produkte deutlich verbessern.

Windrad mit Kraftwerk im Hintergrund
Aus dem CO₂ der Industrieabgase lassen sich Kunst- und Treibstoffe herstellen. Foto: iStock / acilo

Man sieht es einigen Matratzen nicht an, aber sie helfen dabei, unser Klima zu retten. Denn ihr Schaumstoff wurde zu 20 Prozent aus Kohlendioxid hergestellt. Dieses Gas hat zwar hauptsächlich einen schlechten Ruf als Abfallprodukt und Klimakiller, kann aber prinzipiell auch als Rohstoff für die Herstellung einer Vielzahl von Produkten dienen: Nach Angaben des Wirtschaftsverbands der Chemischen Industrie (VCI) verarbeitet die chemische Industrie Deutschlands pro Jahr etwa 18 Millionen Tonnen Kohlenstoff – hauptsächlich zu Kunststoffen und Farben, aber auch zu Arzneimitteln. Als Quellen dienen die fossilen Rohstoffe Erdöl, Erdgas und Kohle. Die haben aber nicht nur den Nachteil, dass bei ihrer Verarbeitung Treibhausgasemissionen entstehen. Sie sind auch nur in begrenzter Menge vorhanden.

Abgas als Klimaretter

Dabei könnte die chemische Industrie jedoch den benötigten Kohlenstoff statt aus fossilen Energieträgern auch aus Kohlendioxid ziehen. Damit ließe sich zudem eine Kohlenstoffkreislaufwirtschaft aufbauen, in der das Abgas durch die Koordinierung der Bereiche Energieerzeugung, Abfallwirtschaft und chemische Industrie nachhaltig genutzt werden kann – indem also beispielsweise das Kohlendioxid, das beim Erzeugen von Strom entsteht, nicht einfach in der Atmosphäre landet, sondern stattdessen als Rohstoff für die Herstellung von Kunststoffen Verwendung findet. Das schlägt sich auch im Carbon Footprint der Produkte, die aus derartigen Kunststoffen bestehen, nieder. Und davon sind bereits einige auf dem Markt: darunter neben den erwähnten Matratzen beispielsweise Dämmplatten, Sportböden, Polster für Schuhe sowie Schaumstoffteile für das Innere von Autos. Auch Kleidungsstücke mit Kohlendioxid-Hintergrund sollen bald marktreif sein. Etliche deutsche Firmen und wissenschaftliche Einrichtungen sind sehr erfolgreich an Forschungen und Entwicklungen auf diesem Gebiet beteiligt – auch mit finanzieller Unterstützung des Forschungs- und des Wirtschaftsministeriums.

Carbon Footprint

Der CO₂-Fußabdruck gibt an, welche Menge an CO₂-Emissionen durch den Konsum von Waren, aber auch Ernährung, Mobilität oder Energieverbrauch entstehen. Zwei Tonnen CO₂ darf jeder Mensch im Jahr verursachen, damit der Treibhauseffekt nicht weiter verstärkt wird. Jeder Deutsche produziert allerdings rund 11,17 Tonnen CO₂ pro Jahr, hat das Umweltbundesamt ermittelt – deutlich zu viel also. Doch nicht nur für Personen, auch für Unternehmen und Produkte lässt sich ein CO₂-Fußabdruck errechnen. Bei Unternehmen zeigt der Corporate Carbon Footprint an, bei welchen Aktivitäten die Betriebe CO₂ erzeugen – und wo sie einsparen können. Der produktbezogene CO₂-Fußabdruck betrachtet dagegen den gesamten Lebenszyklus eines spezifischen Produkts. Dieser Lebenszyklus umfasst die gesamte Wertschöpfungskette von der Herstellung bis zur Entsorgung.

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