Energiewende hinkt hinterher

Mehr als Strom aus Sonne und Wind

Von Katharina Lehmann · 2021

Der deutsche Strommix wird immer grüner. Doch die Zubauraten im Bereich der erneuerbaren Energien sind in den vergangenen Jahren ins Stocken geraten. Wind- und Sonnenstrom müssen wieder deutlich stärker ausgebaut werden, damit die Klimaziele erreicht werden können. Auch in den Sektoren Wärme und Verkehr hinkt die Energiewende den Vorgaben hinterher.

Landschaft mit Windrädern
Foto: iStock/ chinaface

Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) 19,3 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energien gedeckt, und zwar über alle drei Sektoren – also Strom, Wärme und Verkehr – hinweg. Das ist ein Rekord. Damit habe Deutschland das EU-Ziel, mindestens 18 Prozent der End­energie aus erneuerbaren Quellen herzustellen, übertroffen. Insgesamt wurde im Jahr 2020 aus erneuerbaren Quellen eine Energiemenge von 455 Milliarden Kilowattstunden erzeugt.

Doch zwischen den unterschiedlichen Sektoren gibt es große Unterschiede: So entfielen im vergangenen Jahr etwa 53 Prozent der grün produzierten Energie auf die Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen, 38 Prozent auf den regenerativen Wärmesektor und acht Prozent auf biogene Kraftstoffe im Verkehrsbereich. Und auch in den vergangenen zehn Jahren habe sich der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch mehr als verdoppelt. Im Jahr 2020 stammten nach vorläufigen Angaben des UBA 45,4 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus regenerativen Quellen. In den Sektoren Wärme und Verkehr schreite die Energiewende dagegen wesentlich langsamer voran: So lag der Anteil regenerativ erzeugter Wärme im vergangenen Jahr nur bei 15,2 Prozent. Der Sektor mit dem geringsten energetischen Anteil an erneuerbaren Energiequellen ist der Verkehr. „Einschließlich des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien im Schienen- und Straßenverkehr belief sich der Anteil im Jahr 2020 auf 7,3 Prozent“, heißt es beim UBA.

Energiewende hinkt hinterher, deshalb: Ausbau kräftiger vorantreiben

Gerade in den Bereichen Verkehr und Wärme müssen die Anstrengungen zur Energiewende also noch einmal kräftig verstärkt werden. Denn: „Klimaschutz geht nur mit mehr Energie aus Sonne, Wind und Wasser“, hatte UBA-Präsident Dirk Messner bereits im vergangenen Jahr zu bedenken gegeben. Bislang werde die Energiewende vor allem durch den Stromsektor getrieben. „Der Wärmesektor ist hier leider, ebenso wie der Verkehrssektor, noch nicht auf dem richtigen Pfad.“ Die beiden Sektoren seien aber wichtig, stehe doch der Wärmesektor für rund 50 Prozent des Bruttoendenergieverbrauchs. „Da Bauen und Sanieren dauert, müssen die gesetzlichen Regelungen für eine erfolgreiche Wärmewende schnell geschaffen werden – etwa im kommenden Gebäudeenergiegesetz“, fordert Messner. Und auch der Verkehr hat mit gut einem Viertel des Gesamtenergieverbrauchs ein erhebliches Gewicht.

Doch auch beim Ausbau regenerativer Stromquellen läuft es nicht so positiv, wie es auf den ersten Blick scheint. So sind die Ausbauraten für Wind- und Sonnenenergie in den vergangenen Jahren drastisch eingebrochen. Hier müsse Deutschland wieder deutlich zulegen, sonst scheitere die Energiewende, mahnte UBA-Präsident Messner im vergangenen Jahr. „Wir müssen ab nächstem Jahr fünfmal so viel Windenergie pro Jahr bauen wie im letzten Jahr, und bei Photovoltaik dreimal so viel wie heute“, forderte Messner. Die jetzigen Ausbauraten und Ziele reichten nicht aus, um den Kohlestrom zu ersetzen.

Quelle: Umweltbundesamt, 2021

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