CO2-Reduktion

Der Kampf gegen den Klimakiller

Von Michael Gneuss und Katharina Lehmann · 2020

Kohlendioxid gilt als Hauptschuldiger für den Klimawandel. Und Deutschland ist einer der Hauptverursacher für den Ausstoß des Treibhausgases. Zwar sinken die CO2-Emissionen in der Bundesrepublik auch dank der Bemühungen um die Energiewende seit Jahren. Doch es ist noch viel Luft nach oben. Helfen können vor allem neue Technologien.

Ein Baum, dessen eine Hälfte grün und gesund erstrahlt, während die andere kahl und ungesund erscheint.
Zu viel CO2 zerstört unseren Planeten. Foto: iStock / angkhan

Der Gewinner der Corona-Krise ist die Natur. Weltweit sind im Zuge des Shutdowns die CO2-Emissionen aufgrund der Stillstände in der Industrie, im Warentransport, im Flug- und Straßenverkehr zurückgegangen, haben britische Forscher berechnet. „Im April 2020 lagen die CO2-Emissionen global 17 Prozent unter dem Wert von 2019“, berichtet Corinne Le Quéré, Forscherin an der School of Environmental Sciences der University of East Anglia in Norwich und Hauptautorin der Studie, die im Mai in der Fachzeitschrift „Nature Climate Change“ veröffentlicht worden ist. Zum Vergleich: Im Zuge der Finanzkrise 2009 ging der CO2-Ausstoß weltweit um 1,4 Prozent zurück, im Folgejahr stieg er dann wieder um 5,1 Prozent. 

CO2 ist Schadstoffquelle Nummer eins

Klar ist: Das Kohlendioxid in der Atmosphäre treibt den Klimawandel an. Das bei Verbrennungsprozessen fossiler Brennstoffe entstehende Gas ist einer der wichtigsten Treiber der Erderwärmung. Je höher die CO2-Konzentration in der Luft, desto weniger Wärme kann über die Atmosphäre wieder abgegeben werden. Der Grund: CO2 strahlt die vom Erdboden reflektierten Sonnenstrahlen erneut ab – ein Treibhauseffekt entsteht. 

Welche Auswirkungen das haben kann, zeigt sich in Sibirien. Die dort vorkommenden ganzjährig bis in die Tiefe gefrorenen Böden tauen immer mehr auf. Das Problem: In den Permafrostböden lagern immense Mengen gebundenes CO2. Es sind Mikroben aus zersetzten Pflanzen und Tieren. Weicht der Boden auf, wird dieses CO2 freigesetzt. 

In Deutschland macht CO2 rund 90 Prozent der Emissionen aus. 2019 wurden nach Berechnungen des Umweltbundesamts 805 Millionen Tonnen des Klimagases freigesetzt. Zwar sinken die Emissionen stetig – 2019 um 6,3 Prozent – doch das ist zu wenig, mahnt das Bundesumweltamt. 

Strom, Industrie und Verkehr treiben Emissionen in die Höhe

Haupttreiber für den CO2-Ausstoß in der Bundesrepublik ist die Stromerzeugung. Mehr als 300 Millionen Tonnen CO2 entstehen dabei. Der Grund: Noch immer liefern Kohlekraftwerke den Großteil unserer Energie. Der Ausbau der erneuerbaren Energien hat allerdings dazu geführt, dass die Stromerzeugung ein Drittel weniger CO2 ausstößt als im Vergleichsjahr 1990. Mehr als ein Fünftel der CO2-Emissionen stammen aus der Industrie. Besonders belastend sind die Stahl-, Zement- und Chemieproduktion sowie Raffinerien. Allerdings erzeugt auch die Industrie im Vergleich zu 1990 heute gut ein Viertel weniger CO2

Anders der Verkehrssektor: „Die Emissionen des Verkehrsbereiches sind heute im Grunde genauso hoch oder sogar noch ein kleines bisschen höher, als sie 1990 waren“, sagt Michael Strogies vom Umweltbundesamt. In Deutschland machen Autoabgase rund ein Fünftel der gesamten CO2-Emissionen aus. Mehr als ein Sechstel des ausgestoßenen Kohlendioxids stammt aus der Wärmeproduktion. Dieser Anteil könnte sich deutlich verringern, wenn Wärmedämmung, moderne Heizungsanlagen und klimafreundliche Brennstoffe verstärkt zum Einsatz kommen würden. In der Landwirtschaft spielt CO2 zwar nur eine untergeordnete Rolle, doch auch hier werden klimaschädliche Gase – alles voran Methan – produziert. 

Und nun?

In Europa ist die Bundesrepublik mit Abstand der größte Verursacher von CO2-Emissionen. Weltweit stehen wir auf Platz sechs. Deutschland muss also etwas tun, um seinen CO2-Ausstoß zu verringern. Und zwar nachhaltig. Vom kommenden Jahr an soll es in Deutschland eine Kohlendioxidsteuer geben. Mit diesem Instrument möchte die Bundesregierung ihre CO2-Reduzierungsziele erreichen und gleichzeitig die Energie-, Verkehrs- und Wärmewende finanzieren. Im Januar 2021 startet der CO2-Preis mit 25 Euro pro Tonne. Im Jahr 2022 soll der Preis 30 Euro betragen, ein Jahr später 35 Euro. 

CO2-Reduktion: Innovationen gefragt

Die Bundesregierung erhofft sich dadurch, Innovationen in klimafreundliche und emissionsarme Technologien voranzutreiben. Und diese stehen durchaus schon in der Pipeline: CO2-neutrale Brennstoffe, umweltschonende Heiztechnologien und Elektromobilität gibt es heute schon – selbst im Flugverkehr. So fand im Mai dieses Jahres der erste rein elektrische Flug eines Serienflugzeugs, einer vollelektrischen Cessna Grand Caravan 208B, statt. Der halbstündige Flug im US-Bundesstaat Washington lief einwandfrei. Der Strom für den Testflug habe rund sechs Dollar gekostet, gaben die Betreiber an. Zum Vergleich: Mit einem Turboprop-Triebwerk hätte die Maschine Kraftstoff für 300 bis 400 Dollar verbraucht.

Weitere Quelle:
www.nature.com/nclimate

Jemand surft im Internet. Foto: iStock / metamorworks

Wussten Sie schon, dass …

… auch das Internet zum CO2-Problem wird? Die Deutschen schreiben rund eine Milliarde E-Mails pro Tag. Dabei fallen rund 1.000 Tonnen CO2 an – ein Gramm pro E-Mail. Und eine Stunde Video-Streaming produziert so viel CO2 wie ein Kilometer Autofahren. Die Internetnutzung in Deutschland produziert jedes Jahr so viel CO2 wie der gesamte Flugverkehr. Und die Menge könnte sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln, warnen Energieforscher am Borderstep-Institut für Innovation und Nachhaltigkeit in Berlin. Der Grund: Rund um den Globus arbeiten Milliarden Server in gigantischen Rechenzentren permanent. Einzige Lösung: energieeffiziente Rechenzentren!

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