Nachhaltig Heizen

An die Zukunft denken

Von Jens Bartels · 2023

In Deutschland steigt die Anzahl von nachhaltig betriebenen Heizungslösungen in Wohngebäuden. Um den Ausbau dieser umweltfreundlichen Lösungen zu beschleunigen, will die Bundesregierung das Gebäudeenergiegesetz ändern. Um die Novellierung gibt es allerdings heftige Diskussionen.

Eine Wärmepumpe an einem Wohnhaus.
Wärmepumpen sollen Öl- und Gasheizungen ersetzen. Foto: iStock / michal-rojek

In immer mehr neuen Wohngebäuden in Deutschland werden erneuerbare Energien zum Heizen genutzt: Drei Viertel (74,7 Prozent) der im Jahr 2022 fertiggestellten Wohngebäude werden ganz oder teilweise mit erneuerbaren Energien beheizt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, stieg dieser Anteil gegenüber dem Jahr 2021 (70,7 Prozent) um vier Prozentpunkte. 2015 hatte er noch bei 61,5 Prozent gelegen. Von den neu gebauten Einfamilienhäusern werden 77 Prozent ganz oder teilweise mit erneuerbaren Energieträgern beheizt, bei Zweifamilienhäusern sind es 80,9 Prozent und bei den Häusern mit drei oder mehr Wohnungen 58,7 Prozent. Der am häufigsten verbaute Heizungstyp in neuen Wohnhäusern sind Wärmepumpen. Sie wurden im Jahr 2022 in mehr als der Hälfte der neuen Wohngebäude als primäre Heizenergiequelle eingesetzt. Allein von 2021 bis 2022 stieg der Anteil um mehr als sechs Prozentpunkte von 50,6 Prozent auf 57 Prozent. Im Jahr 2015 hatte der Anteil noch bei 31,4 Prozent gelegen.

Nachhaltig heizen: Mehrere Lösungen möglich

Dies überrascht kaum, denn Wärmepumpen zählen zu den nachhaltigsten und umweltschonendsten derzeit verfügbaren Heizsystemen in Wohngebäuden, da die natürliche Wärme aus der Umgebungsluft, dem Grundwasser oder dem Erdreich gewonnen wird. Durch die hohe Effizienz sind bei dieser Lösung außerdem niedrige Heizkosten garantiert. Zwar sind Wärmepumpen in der Gesamtinvestition auf den ersten Blick teurer als konventionelle Heizungskessel, wenn Wärmequellen wie Wasser oder Erdwärme erschlossen werden. Aber dafür können im Neubau zusätzliche Kosten wie das Legen eines Gasanschlusses, der Bau eines Schornsteins oder auch der regelmäßige Schornsteinfegerbesuch vermieden werden. Klar muss sein: Wird die Wärmepumpe effizient betrieben, gleichen die günstigeren Heizkosten die Investition bei der Anschaffung aus.

Zu den erneuerbaren Energien bei Heizsystemen gehören neben den Wärmepumpen auch Sonnenenergie und Holz. Die Sonnenenergie lässt sich bei Wohngebäuden nutzen, indem für die Stromerzeugung eine Photovoltaikanlage und zur Wärmeerzeugung eine solarthermische Anlage installiert werden. Da Sonnenenergie nicht gleichmäßig über das ganze Jahr verteilt verfügbar ist, werden solarthermische Anlagen oft mit einem weiteren Wärmeerzeuger kombiniert. Mit Blick auf eine nachhaltige Lösung kommt hier eine Kombination mit einem Pelletkessel oder einer Wärmepumpe infrage. Holz gilt als CO2-neutraler Energieträger, da bei der Verbrennung nur etwa so viel Kohlendioxid freigesetzt wird, wie es über seine Lebenszeit aufgenommen und in Sauerstoff umgewandelt hat. Wichtig hierbei ist, Holz aus regionaler und nachhaltiger Waldwirtschaft zu verwenden. Damit ist das Heizen mit Holzscheiten, Holzpellets oder Holzbriketts eine umweltschonende Alternative zu den fossilen Brennstoffen Öl und Gas. Nicht zuletzt werden auch Biogas/Biomethan und sonstige Biomasse zu den erneuerbaren Energien bei Heizungen gezählt.

Klimaziele in Gefahr

Um die Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor weiter zu senken und damit das Klima besser zu schützen, will die Bundesregierung das Gebäudeenergiegesetz (GEG) novellieren. Der letzte Entwurf sieht vor, dass ab 2024 in Neubaugebieten Heizungen eingebaut werden müssen, die mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden. Ursprünglich sollten alle neuen Heizungen von 2024 an diese Vorgabe erfüllen. Nun soll sich der Zeitplan nach der Wärmeplanung der Kommunen richten: Große Städte sollen bis zum Jahr 2026 eine Wärmeplanung vorlegen, alle anderen Städte spätestens bis 2028. Zugleich soll der Ein- und Umbau gefördert werden, unter anderem mit einem „Klima-Geschwindigkeitsbonus“.

Zweifel an dem Kompromiss

„Es ist erfreulich, dass nach vielen Jahren Stillstand das heiße Eisen Gebäudebestand endlich angepackt wird“, kommentiert Christoph Bals das Ergebnis. „Aber dem Gesetz wird es in dieser Form nicht gelingen, den Gebäudesektor auf Kurs zum Erreichen der Klimaziele 2030, 2040 und 2045 zu bringen“, so der Experte der Umweltorganisation Germanwatch. Demnach enthält der jetzige Gesetzestext auf Betreiben der FDP Optionen, den Einbau von Gasheizungen zunächst noch zuzulassen, um sie später auf Biogas oder Wasserstoff umzustellen. Aber ein Verbund von acht Großstadtwerken wie München oder Mannheim hat bereits im Juni 2023 davor gewarnt, dass diese Mengen an Biogas und Wasserstoff nicht zur Verfügung stehen werden. Gleichzeitig droht vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern durch die Ausnahmeregelung, zunächst noch Gas zuzulassen durch künftig massiv steigende CO2-Preise und absehbar teuren Wasserstoff in eine Kostenfalle zu tappen.

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