Aufbereitung von Trinkwasser

„Technisch können wir aus jedem Wasser sauberes Trinkwasser erzeugen“

Von Katharina Lehmann · 2021

Porträt: Thomas Dockhorn
Thomas Dockhorn, Professor für Siedlungswasserwirtschaft an der TU Braunschweig

Um unser Wasser zu schützen, müssen wir die Schmutzeinträge in die Umwelt reduzieren, weiß Thomas Dockhorn, Professor für Siedlungswasserwirtschaft an der Technischen Universität Braunschweig. Denn der alleinige Fokus auf die Wasseraufbereitung sei nicht zielführend.

Wie gut sind wir hier in Deutschland in Sachen Wasserqualität?

Grundsätzlich sind wir gut aufgestellt – die Trinkwasseraufbereitung funktioniert gut. Klar, manche Wasserwerke haben es da leichter, weil sie auf frisches Quellwasser zurückgreifen können. Andere, die das Wasser zum Beispiel entlang des Rheins schöpfen, müssen da mehr Aufwand betreiben. Technisch können wir aus jedem Wasser sauberes Trinkwasser erzeugen. Mitunter ist das aber technisch sehr auswendig. Besser ist es, die Schmutzeinträge in die Umwelt schon im Vorfeld zu minimieren.

Wie es in den Klärwerken passiert.

Genau. Wir haben ja schon vor Jahrzehnten erkannt, wie wichtig es ist, alle Abwässer, auch die aus der Industrie, zu reinigen, um eine gute Rohwasserqualität zu haben. Dank der Kläranlagen gelangen heute weit weniger Schadstoffe in unsere Flüsse und Seen. Unsere Kläranlagen verbrauchen jedoch eine Menge Energie. Pro Kopf kostet die Abwasserreinigung etwa 35 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Das klingt nach wenig – in vielen größeren Kommunen sind Kläranlagen aber die größten punktuellen Verbraucher. 

Kann man die Anlagen energieeffizienter gestalten?

Es gibt da vielversprechende Lösungsansätze: Der bei der Abwasserreinigung entstehende Klärschlamm lässt sich in einem Faulturm zu Biogas vergären. Im Blockheizkraftwerk entstehen aus dem Biogas dann Strom und Wärme. Damit lässt sich der Eigenstrombedarf einer Kläranlage um 30 bis 50 Prozent reduzieren. Noch besser würde das funktionieren, wenn wir das Abwasser weniger verdünnen würden und zum Beispiel Toilettenabwasser mit seinen energiereichen organischen Komponenten von anderem Abwasser trennen. Dieses Grauwasser ließe sich viel einfacher reinigen, mit einer stofflichen und energetischen Verwertung des Toilletenabwassers – im Gegensatz zur bisherigen Entsorgung – könnte sogar eine energiepositive Kläranlage betrieben werden. Doch dafür müssten wir das gesamte Kanalisationssystem bis in die Wohnungen hinein umbauen. 

Welche Rolle spielt die Landwirtschaft?

Weltweit werden heute 70 Prozent des Frischwassers zur Bewässerung in der Landwirtschaft genutzt. Gleichzeitig ist auch die Düngung der Felder dafür verantwortlich, dass Stoffe wie Stickstoff oder Phosphor in die Gewässer eingebracht werden. Die Pflanzen brauchen diese Stoffe, in der Wasseraufbereitung müssen sie allerdings aufwendig entfernt werden. Auch das kostet Energie. Besser wäre es, diese Stoffe in bestimmten Abwasserströmen gar nicht erst zu eliminieren. Dieses Wasser könnte dann direkt in der Landwirtschaft zur Bewässerung und gleichzeitigen Düngung der Felder eingesetzt werden. Das spart gleich zweifach Kosten und Energie – einmal bei der Aufbereitung des Abwassers, gleichzeitig müssten Stickstoff und Phosphor in Form mineralischer Dünger entsprechend in geringerer Menge energieintensiv hergestellt werden.

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