Verpackung im Alltag

Nachhaltigkeit beginnt am frühen Morgen

Von Alexandra Grossmann · 2016

Eine Person hält einen Pappbecher mit Kaffee
Das Lieblings-Getränk vieler Menschen wird zum Problem für die Umwelt.

Der Coffee-to-go ist kein Kaffee, er ist ein Lebensgefühl. Wer ihn in der Hand hält, ist cool, ist beschäftigt, ist wichtig – und genießt den Moment. Selbst Barak Obama schwenkte einen To-go-Becher bei seinem Abschiedsbesuch vor dem Brandenburger Tor. Das Problem: In Deutschland werden jede Stunde 320.000 Einwegbecher verbraucht, im Jahr fast drei Milliarden Stück, so die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Damit sind To-go-Becher neben dem Versandhandel eine der Hauptursachen für steigende Müllmengen. 

Höchstes Verpackungsaufkommen der EU

Seit 2004 ist der Verpackungsverbrauch in Deutschland von rund 465.000 Tonnen auf 600.300 Tonnen im Jahr 2014 um fast ein Drittel gestiegen. Damit haben wir hierzulande pro Einwohner das höchste Verpackungsaufkommen in der Europäischen Union. Ganze 17,8 Millionen Tonnen kamen als Müll auf. Gründe für diesen Anstieg gibt es viele; als wichtigste Ursachen gelten die Zunahme von Single-Haushalten, die mehr und kleinere Verpackungen verursachen, der boomende Onlinehandel sowie der Außer-Haus-Verzehr wie der Coffee-to-go.

„Der Müllberg an beschichteten Wegwerf-Bechern wächst stetig“, sagt der Pressesprecher der Deutschen Bahn in Berlin, Burkhard Ahlert. Die Bahn rief im Juli die Aktion „Mein Becher für Berlin“ ins Leben. Seitdem werden Mehrwegbecher aus ultraleichtem Bambus verkauft, von dem je zwei Euro als Spende an die Stadtbaumkampagne gehen.

„In den ersten drei Monaten wurden rund 2.700 Becher verkauft. Dafür wurden zehn Bäume gepflanzt, die in den kommenden drei Jahren gepflegt werden“, so Ahlert.

Suche nach umweltverträglichen Lösungen

Eine gute Idee, doch wird sie die Becher-Flut in deutschen Mülleimern bremsen? Eine Alternative bietet das Start Up CupCycle. Seit 2012 versucht das junge Unternehmen, mit seinem Konzept zu überzeugen. „Es ist in der TU Berlin getestet worden, mit einem überraschend gutem Ergebnis. Die anfängliche Rücklaufquote stieg zum Ende der Erprobungsphase wieder auf über 90 Prozent an“, sagt Geschäftsführer Rudolf Schnettler. Die Idee: Ein Becher-Mehrwegsystem ohne Pfand. „Der Konsument nimmt am Ausschankort einen Becher, den er nach Gebrauch in einen Sammelbehälter zurückgibt. Diese werden je nach anfallender Menge ein oder mehrfach am Tag geleert, gereinigt und wieder bereitgestellt“, sagt Schnettler.

In geschlossenen Kreisläufen kann ein System wie Cupcycle funktionieren, auf der Straße jedoch nicht. Hoffnung macht ein Projekt der Stadt Freiburg, wo Ende November der Versuch startete, ein Pfandsystem für To-go-Becher einzuführen. Bei dem Pilotprojekt „FreiburgCup“ werden Kunststoffbecher in 15 Cafés in der Innenstadt ausgegeben. Mit 5.000 Bechern ging es los, sie können bis zu 400 Mal gespült und wieder benutzt werden. Wie die Idee bei Verbrauchern ankommt, wird sich jetzt zeigen.

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