Pfandsystem

Im Wirrwarr des Flaschenpfands

Von Alexandra Grossmann · 2016

 Pfandflaschen
Pfand oder kein Pfand? Und wenn, wieviel? Verbraucher sind oft verwirrt im deutschen Pfandsystem.

Einweg oder Mehrweg, Glas oder PET – das deutsche Pfandsystem scheint immer komplizierter zu werden. In der Theorie ist die Sache einfach, in der Praxis jedoch weniger. Wir bringen Licht in das Dunkel und zeigen Ihnen den richtigen Weg durch den Dschungel des deutschen Pfandsystems.

Eigentlich ist alles ganz einfach, doch der Teufel steckt im Detail: Mehrwegflaschen sind am besten für die Umwelt. Dennoch verschwindet die Mehrwegflasche allmählich – auch, weil Verbraucher im Wirrwarr des Pfandsystems nicht durchblicken.

Seit der Einführung des Pfands für Einwegflaschen 2003 konkurrieren das Einweg- und das Mehrwegsystem miteinander. Für Verbraucher ist kaum erkennbar, welche Flasche zu welchem System gehört. Denn die Unterscheidung hängt nicht nur vom Gefäß, sondern auch vom Inhalt ab. So fällt zum Beispiel für Limonade Pfand an, wenn sie in einer Plastikflasche oder Dose abgefüllt ist. Für Prosecco in der Dose gilt dies aber nicht.

Bessere Ökobilanz der Mehrwegflasche

Weniger schwer ist die Wahl zwischen Einwegflaschen aus dem Kunststoff Polyethylenterephthalat (PET) und Flaschen aus Glas. Denn sie werden zwar ebenso wieder eingesammelt, sind aber nicht vollständig recyclebar. Sie werden zerschreddert, geschmolzen und zu Granulat verarbeitet, aus dem aber nur etwa 50 Prozent zu neuen PET-Flaschen gemacht werden. Eine Flasche aus Glas hingegen kann bis zu 50 Mal wieder befüllt werden.

Insgesamt betrachtet haben Mehrwegflaschen die besser Ökobilanz. Hier wiederum liegt die PET-Mehrwegflasche vor der Glasflasche, die wesentlich schwerer ist und somit die schlechtere CO₂-Bilanz aufweist. Am schädlichsten ist die Dose, deren Herstellung viel Energie kostet und deren Recyclingfähigkeit so gering ist, dass sie zu 94 Prozent aus neuem Aluminium besteht. 

Discounter haben Mehrwegflaschen abgeschafft

Dennoch sinkt der Verkauf von Mehrwegflaschen dramatisch. Seit 2004 ist die Quote von 70 auf etwa 50 Prozent gefallen. Grund ist vor allem das Wasser: Es ist mit rund 137 Litern pro Kopf das beliebteste Getränk in Deutschland. Während es aber früher überwiegend in Mehrwegflaschen gekauft wurde, entscheiden sich heute mehr als 60 Prozent der Verbraucher für Einwegflaschen der Discounter. Diese führen inzwischen gar keine Mehrwegflaschen mehr. Sie sparen an Lagerfläche und verkaufen die geschredderten Flaschen als Recyclingmaterial. Ein lohnendes Geschäft: rund 450 Euro ist eine Tonne heute wert.

Darum fordern Umweltverbände und -organisationen immer wieder Neuregelungen, insbesondere für Mehrwegflaschen. Denn laut Bundesumweltministerium kann jeder zweite Deutsche auch Mehrwegflaschen nicht von Einwegflaschen unterscheiden. Verbände fordern vor allem eine ausreichende Kennzeichnung, damit der Verbraucher überhaupt in der Lage ist, eine Entscheidung zu treffen.

25 Cent Pfand für schlechte Ökobilanz

Eine gesetzliche Entscheidung gibt es bislang nicht. Doch im Juni dieses Jahren haben sich 42 deutsche Handelsunternehmen und Getränkeproduzenten, die gemeinsam eine Marktabdeckung von 84 Prozent bilden, dazu verpflichtet, bis Ende 2017 die Einweg-Pfandflaschen deutlicher zu kennzeichnen.

Bis dahin hilft für den Griff zur ökologisch besseren Flasche der Blick auf den Pfand selbst: Mehrfach nachgefüllt werden Flaschen, deren Gebühr klein ist. Jene, die schlecht für die Umwelt sind, müssen laut Gesetz 25 Cent Pfand kosten.

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