E-Mobilität

Autofahren für die Energiewende

Von Katharina Lehmann · 2017

 Ein Mensch am Steuer eines fahrenden Autos
„Wir brauchen komfortable Möglichkeiten, den Akku aufzuladen.“

Den Elektroautos gehört die Straße der Zukunft – so zumindest hätten es Politiker und Umweltverbände gerne. Doch noch immer läuft der Absatz der Stromer schleppend, vor allem, weil die Reichweite gering und der Preis hoch ist. Dabei haben sie durchaus das Potenzial, maßgeblicher Bestandteil der Energiewende zu werden.

In der Stadt der Zukunft sind sie überall: die flexiblen Stromspeicher, die die Energiewende so dringend benötigt. Sie rollen über die Straßen, warten an Ampeln und stehen auf Parkplätzen. Über Induktionsspulen, die in die Fahrbahn eingelassen sind, sind sie ständig mit dem Netz verbunden. So nehmen sie in sonnen- oder windreichen Zeiten den überschüssigen grünen Strom auf und geben ihn an das Netz zurück, wenn der Bedarf höher ist als die Ausbeute – natürlich nur bis zu dem vom Fahrer festgesetzten Minimum. Elektroautos könnten dank ihrer flexiblen Akkus zu einer wesentlichen Stütze der Energiewende werden – vorausgesetzt natürlich, dass sie ständig mit dem intelligenten Stromnetz in Verbindung stehen. 

Induktives Laden wird kommen

„Es gibt sehr spannende Szenarien für die E-Mobilität“, weiß auch Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. „Hat sich das Elektro-Auto erst einmal durchgesetzt, fahren schließlich Millionen Stromspeicher auf Deutschlands Straßen.“ Bis dahin sind allerdings noch zahlreiche Probleme zu lösen: So müsse das Stromnetz so gestaltet werden, dass es auf die vielen einzelnen Akkus zugreifen kann.

Eine Möglichkeit, die Stromer dauerhaft ans Netz zu binden, ist die Induktionstechnologie. Sie sei auch in der Lage, das Reichweitenproblem zu lösen. „Die Ladesäule ist nur eine Übergangslösung. Dauerhaft brauchen wir komfortablere Möglichkeiten, den Akku wieder aufzuladen.“ Induktionsspulen, integriert in den Boden von Garagen und Parkplätzen oder in den Straßenbelag ganzer Fahrbahnen, versorgen den Akku bei Kontakt mit Energie – ganz ohne Ladekabel und langes Warten. „Das induktive Laden wird kommen – allerdings erst in etwa zehn Jahren“, glaubt Autoexperte Bratzel.

Deutsche Autofahrer kaufen weniger Stromer

Die Ladeproblematik ist auch einer der Gründe, aus denen reine Stromer bei deutschen Autokäufern nicht sonderlich beliebt sind. Zwar könne sich inzwischen jeder zweite Deutsche grundsätzlich vorstellen, in den kommenden vier Jahren ein Fahrzeug mit Elektroantrieb anzuschaffen, wie aus einer Studie des Marktforschungsinstituts YouGov in Zusammenarbeit mit dem CAM hervorgeht. Doch vor allem der hohe Preis, die geringe Reichweite, die lange Ladedauer und die geringe Zahl öffentlicher Ladesäulen halten viele Autokäufer vom Umstieg ab. 

So sank im vergangenen Jahr gar die Zahl der Neuzulassungen reiner E-Autos – und das trotz im Sommer eingeführter E-Auto-Kaufprämie. Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes wurden 2016 nur 11.410 Stromer neu zugelassen – ein Minus von 7,7 Prozent. Die Zahl der Hybridmodelle stieg dagegen um 43 Prozent auf 47.996 Wagen. Insgesamt wurden 2016 in Deutschland 3,35 Millionen neue PKWs zugelassen, 4,5 Prozent mehr als 2015. Zwar nennt Stefan Bratzel die trotz Kaufprämie gesunkenen Absatzzahlen eine Katastrophe, an einen Durchbruch der Elektromobilität glaubt er indes fest – für die frühen 2020er Jahre prognostiziert der Autoexperte eine Neuzulassungsquote von 20 bis 25 Prozent.

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